Genaue Analyse zeigt: Trendwende ist nicht in Sicht

Baufertigstellungszahlen 2022

Der BFW Landesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen Baden-Württemberg warnt davor, die aktuellen Baufertigstellungszahlen als Zeichen einer Erholung zu interpretieren. „Der minimale Anstieg von 0,6 Prozent bei den bundesweiten Baufertigstellungen im Jahr 2022 ist absolut irreführend“, erklärte Gerald Lipka, Geschäftsführer des BFW Landesverband Baden-Württemberg. „Die Zahlen bilden den Stand von vor der Krise ab, denn da wurden die Genehmigungen erteilt.“ Wo die Reise hingehe, zeige der Blick auf die Zahl der aktuellen Baugenehmigungen und Bauüberhänge. Und die sei dramatisch! „Wenn die Politik hier nicht endlich gegensteuert, ist eine Trendwende noch lange nicht in Sicht“, prognostiziert Lipka. „Denn: Was heute nicht genehmigt wird, kann 2024 und 2025 nicht gebaut werden!“

Besonders düster sieht es in Sachen Baugenehmigungen und Bauüberhang in Baden-Württemberg aus: Wie der kürzlich vom BFW Landesverband Baden-Württemberg vorgestellte Konjunkturbericht zeigt, wurden hierzulande im Januar und Februar 2023 nur 7.879 Wohnungen genehmigt. Das sind elf Prozent weniger als im selben Zeitraum 2022 mit 8.849 Wohnungen. Bei Einfamilienhäusern waren es 45 Prozent, bei Mehrfamilienhäusern 34 Prozent und bei Wohnungen in Bestandsgebäuden 20 Prozent weniger. Insgesamt wurden 2022 damit in Baden-Württemberg mit 50.823 Wohnungen, 8,2 Prozent Wohnungen weniger als 2021 genehmigt.

„Besonders problematisch ist, dass von den ohnehin weniger genehmigten Wohnungen zusätzlich auch noch immer weniger gebaut werden“, so Lipka. So hat sich der sogenannte Bauüberhang in Baden-Württemberg zum 31. Dezember 2021 um 10,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 113.898 Wohnungen vergrößert (31.12.2020: 102.944). „Wenn die Politik jetzt nicht Weitsicht beweist und endlich gegensteuert, dann wird es auch in den nächsten Jahren keine Erholung in der Immobilien- und Wohnungsbaubranche geben, denn was heute nicht genehmigt oder gebaut wird, kann auch in den kommenden beiden Jahren nicht bezogen werden und damit zur Entspannung der Lage beitragen.“

Konkret fordert Lipka von der Politik mehr bebaubare Grundstücke, eine Reduzierung der Grunderwerbsteuer für Selbstnutzer und verbesserte Abschreibungsmöglichkeiten. „Im Bausektor mit einem Planungszeitraum von mehreren Jahren brauchen wir langfristig verlässliche Rahmenbedingungen und Förderstrukturen, die Wohnungsbau auch in herausfordernden Zeiten wie heute ermöglicht“, betont Lipka. Außerdem müsse die Zielgruppe der privaten Bauinvestoren stärker unterstützt und ermutigt werden: „Baden-Württemberg ist ein Beispiel für die große Bedeutung privater Bauinvestoren beim Wohnungsneubau. Neben steigenden Baukosten und Hypothekenzinsen setzen noch immer hohe Grundstückskosten und die Kosten für die Energiewende dieser Gruppe massiv zu“, schlussfolgert Lipka. „Die Politik fordert beim Wohnungsbau von den privaten Bauinvestoren immer mehr, will zu viel gleichzeitig und ignoriert dabei die veränderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Außerdem sorgt sie nur unzureichend für Entlastung“, so Lipka weiter. Besser wäre es, sich – zum Beispiel bei der Energiewende – auf die effizientesten Maßnahmen zur CO2 Einsparung zu beschränken, um die Bauwilligen nicht zu überlasten.

Pressekontakt: Gerald Lipka, Geschäftsführer des BFW Landesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen Baden-Württemberg e.V. 0711/870 380-0, info@bfw-bw.de

Im BFW Landesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen Baden-Württemberg sind überwiegend Bauträger und Projektentwickler organisiert, die sich meist mit dem Wohnungsneubau beschäftigen und oft keine oder nur kleinere eigene Wohnungsbestände halten. Mit dem Bau von Ein- und Mehrfamilienhäusern tragen sie wesentlich zur Versorgung der Bevölkerung mit Wohnraum bei. Dies gilt sowohl für Wohneigentum als auch für Mietwohnungen, da etwa die Hälfte der neu gebauten Eigentumswohnungen vermietet wird. Die bundesweit im BFW organisierten Unternehmen errichten mehr als 50 Prozent der neuen Wohnungen in Deutschland und 30 Prozent der Gewerbeimmobilien. www.bfw-bw.de

 

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