Schallschutz

DIN: Deutsche Normungsstrategie 2020

Das DIN erarbeitet derzeit die „Deutsche Normungsstrategie 2020“, eine Art Handlungsrahmen für die Normungsarbeit bis 2020. Der BFW ist als Vertreter der mittelständischen Immobilienwirtschaft aktiv beteiligt. Die Beschlussfassung im DIN ist für den 03.11.2016 vorgesehen.

Hintergrund:

Ziel der Normung ist es, unter Auswertung wissenschaftlicher Erkenntnisse und praktischer Erfahrungen eine möglichst gute, einfache und kostengünstige Lösung für die Baupraxis zu finden. Demgegenüber haben sich jedoch aufgrund der derzeit unzureichenden gesamtwirtschaftlichen Folgenbetrachtung in den  Normungsverfahren und aufgrund der Dominanz von Interessenvertretern und der Wissenschaft  Komfortansprüche entwickelt, die sich auch in überhöhten Anforderungen des Bauordnungsrechtes widerspiegeln. Die Folgen daraus sind über 3.300 Baunormen (DIN, EN, ISO), ca. 1.500 Richtlinien, mehr als 500 Merkblätter, Arbeitshilfen u. ä. sowie eine Vielzahl produktspezifischer Einzelregelungen, wie zum Beispiel ca. 7.000 allgemeine bauaufsichtliche Zulassungen und Produktdatenblätter. Hieraus ergeben sich zusätzlich erhebliche zivilrechtliche Haftungsrisiken.

Kritik:

Die damit einhergehenden Probleme lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Unzureichende Transparenz in den Normungsprozessen
  • Immer kürzere Überarbeitungszyklen
  • Hohe Komplexität und Verwissenschaftlichung der Normen
  • Unzureichende Nachvollziehbarkeit der Regeln für die Baupraxis

Diesen Fehlentwicklungen muss durch die Deutsche Normungsstrategie 2020 entgegengewirkt werden, um das Vertrauen der Immobilienwirtschaft in die Standards der DIN-Normung wiederherzustellen.

Forderungen der mittelständischen Immobilienwirtschaft

  • Praxiskonformität ist sicherzustellen. Gute, einfache und kostengünstige Standards für die Baupraxis sind hierbei der Maßstab.
  • Wirtschaftliche und soziale Auswirkung von Normung sind in einer Folgenbetrachtung vorab zu prüfen.
  • Auswirkungen auf die Baukosten und die Investitionstätigkeit der Immobilienwirtschaft sind angemessen zu berücksichtigen.
  • Sicherheitsniveaus müssen auf die Gefahrenabwehr beschränkt werden.
  • Anwender der Normen sind im Normungsprozess angemessen zu beteiligen.

 


Neufassung der Schallschutznorm DIN 4109 und DIN SPEC PAS

Der BFW ist an der Neufassung der Schallschutznorm DIN 4109 beteiligt. Deren Inkrafttreten könnte, je nach Einspruchsbehandlung, noch in 2015 erfolgen. Bereits jetzt ist absehbar: Hinweise für den „erhöhten Schallschutz“ werden nicht mehr enthalten sein.

Die neugefasste VDI-Richtlinie wird vom BFW und einer breiten Mehrheit der „Wertschöpfungskette Bau“ als praxisfern, kostensteigernd und haftungsträchtig abgelehnt. Der BFW hat sich deshalb gemeinsam mit den anderen Verbänden an einem vom DIN angebotenen vereinfachten Weg beteiligt, Empfehlungen zum erhöhten Schallschutz in Form einer sogenannten DIN SPEC PAS zu erarbeiten. Dieses Verfahren ist auf einem guten Weg, so dass spätestens gleichzeitig mit einer DIN-Neufassung auch diese Empfehlungen wirksam werden können. Dadurch würde dieses technische Segment endlich wieder auf eine verlässliche Basis gestellt.

Parallel hat der BFW über den Vorsitzenden des Arbeitskreises Bautechnik Kunibert Gerij den Kontakt zu anderen Betroffenen, insbesondere den Sachverständigenverbänden intensiviert. Gerade letzteres ist von hoher Bedeutung, um die neuen Regelungen auch in gerichtlichen Auseinandersetzungen zur Grundlage der Mängelbewertung zu machen. Forum für diese Kontakte und Abstimmungen ist das „Netzwerk Normung“.

Aktuelle Themen des Netzwerks sind Schallschutz, allgemeine Normungsprozesse im DIN und CEN, Bauprodukte-Verordnung, Zulassungspraxis für Bauprodukte im DIBT, technische Normen in der EnEV und die sich hieraus ergebenden Auswirkungen auf die Baupraxis.